14. August 2007
Der Blog zur Homepage
Hier entseht der Blog zu unserer Homepage : schulgewalt.ch.
Die Herbert Wyss GmbH mit Sitz in Frauenfeld bezweckt die Beratung von Kantonen, Gemeinden und Institutionen im:
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pädagogischen Bereich
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heilpädagogischen Bereich
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bietet bei Gewalt und Gewaltgefährdung in der Schule notfallpsychologische Unterstützung .
Wir freuen uns, Sie auf dem Blog über aktuelle Themen und Wissenswertes auf dem Laufenden zu halten.


Ich freue mich auf interessante Beiträge und herzliche Gratulation zum neuen Blog!
Sehr geehrter Herr Wyss
Heute wurden Sie in der Neuen Zuger Zeitung im Zusammenhang mit dem Gewaltverbrechen in DE (Amoklauf an einer Schule) zitiert. Als Hintergründe dieser Tat nennen Sie die Anonymität an grossen Schulen. Ich als Mutter eines 9-jährigen Mädchens erachte dies jedoch als absolut falsch.
Vielmehr wird in der Öffentlichkeit nicht zugegeben, dass der Konsum von Gewaltdarstellungen im Internet oder als DVD (Filmindistrie, Verleihe, etc.) junge Menschen stark dazu anspornt, eine in Medien beobachtete Gewaltszene mal selber auszuprobieren (Verlust zwischen Fiktion und Realität). Auch die Frage danach, woher dieser Amokläufer überhaupt an eine Waffe kam, bleibt in Ihrem Kommentar völlig unerwähnt. Es enttäuscht mich daher schwer, dass Sie als Fachperson die echten Hintergründe nicht in den Mittelpunkt rückten, sondern harmlose Gründe wie Schulgrösse sowie Anonymität erwähnten!
In Erwartung Ihres Feedbacks wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.
Mit freundlichen Grüssen,
Ivana Meyer
Liebe Frau Meier
Sie haben natürlich recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass es auch persönliche Gründe für Amoktaten gibt. Diese sind sogar absolut primär. Der Hauptgrund bei den individuellen Gründen ist meist eine schwere, krankhafte Persönlichkeitsstörung eines Amoktäters. Weiter ist bei Amoktätern oft feststellbar, dass sie im Internet Gewaltspiele wie (Counterstrike oder War of Worldcraft) gespielt haben, Ihre Aussage trifft also in diesem Punkt auch zu. Man darf nur nicht dem Umkehrschluss machen und behaupten, dass derartige Spiele zu Gewalthandlungen führen müssen. Bei gesunden Jugendlichen tritt dieser Effekt auf Grund, wie Forschungen aufzeigen, nicht ein.
In meinen Interviews habe ich natürlich auf diese individuellen Ursachen von Amok auch hingewiesen. In der Zeitung wurde nicht immer alles, was ich gesagt habe, auch publiziert.
Erkennbare individuelle Risikofaktoren bei amokgefährdeten Personen sind:
- Persönlichkeitsauffälligkeiten im Bereich von Persönlichkeitsstörungen
Dissoziales Verhalten (Diese Tätern bereitet das Einhalten von Regeln
und Normen grosse Schwierigkeiten.)
- Aggressive Problemlösungen (Amokläufer zeigen in ihrem Leben aggressives
Problemlösungsverhalten.)
- Geringe Frustrationstoleranz (mit Rückzugsverhalten bei Frustrationen)
- Machtstreben (Bei Amokläufern lässt sich oft ein starkes Interesse an Macht und Dominanzstreben erkennen.)
- Besondere Kleidung (Oft beginnen Amokläufer vorgängig besonders aggressive Kleidung zu tragen, z7.B. lange schwarze Ledermäntel).
- Waffenaffinität (Besonders gefährlich wird es, wenn eine besondere Beziehung zu Waffen erkennbar wird.)
- Konsum von Gewaltmedien
- Killerspiele (Bei gewaltgefährdeten Jugendlichen bewirken Computer-Killerspiele eine Verstärkung ihrer Persönlichkeitsauffälligkeiten.)
- Rückzug (Es ist erkennbar, dass Amokläufer in der letzten Zeit vor der Gewalttat eher weniger stark auffallen als vorher.)
- Amokläufer neigen generell zum Einzelgängertum. (Sie sind selten in Gruppen gut integriert und wenn, dann nur in stark abgekapselten Gruppen.)
Es gibt aber auch kollektive Faktoren, welche bei Menschen mit einem Gewaltgefährdungspotenzial zu einer Erhöhung ihrer Gefährdung führen.
Dazu gehören
- die zunehmende Anonymisierung (die unter anderem auch durch grosse und
wohnortsferne Zentrumsschulen) gefördert wird,
- ein Abbau des pädagogischen Primats in der Schule bei gleichzeitiger Erhöhung des Leistungsdruckes,
- individuelle Überforderung im Verhaltens- und im Leistungsbereich,
- soziale Isolation und Mobbingvorfälle,
- Abbau der persönlichen Verantwortungsgefühls des Einzelnen gegenüber von
Fehlverhalten von Jugendlichen (mit der Folge, dass auch bei beobachtetem
Fehlverhalten von Jugendlichen in der Öffentlichkeit meistens keine Reaktio-
nen erfolgen),
- Zunahme des gesellschaftlichen Druckes, (z.B. durch die Angst, keinen Arbeitsplatz zu finden),
- Bild-Berichterstattung in den Medien (Es sind vor allem Bilder von Amokvorfällen, welche negative Auswirkungen auf gefährdete Jugendliche haben. Textberichte scheinen keine wesentlichen Einfluss auszuüben. Ausgenommen davon sind Textdokumente (wie z.B. Abschiedsbriefe oder Todeslisten), die von Amoktätern selber erstellt wurden.
- gewaltverherrlichende Computerspiele, die zum Teil sogar in Gruppen gespielt werden und die Suchtpotenzial aufweisen.
Aus schulpolitischer Sicht sollten wir die kollektiven Gründe bewusst immer wieder aufzeigen. Diese zu ändern, wäre nämlich ohne grosse Probleme möglich. Deswegen nenne ich diese Gründe oft in den Medien.
In Bezug auf einzelne gefährdete Jugendliche muss man der individuellen Gefährdung nachgehen. Das muss in der betroffenen Schule und der Klasse geschehen. Deswegen gehe ich auf diese Gründe vor allem in der konkreten Schule und Klasse ein.
Unser gemeinsames Ziel muss eine gewaltarme und amokfreie Schule sein, in der die Kinder und Jugendlichen in Sicherheit lernen und sich positiv entwickeln können.
Freundliche Grüsse
Herbert Wyss